31. August bis 6. September
Klein, aber nicht übersehen
Ein Impuls von Christian Voller-Morgenstern zu Lukas 19, 1–10
Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. (V.3, Luther)
»Zachäus war ein kleiner Mann, ein sehr kleiner Mann war er; er stieg auf einen Maulbeerbaum, denn der Heiland kam daher.«
Ein Lied aus dem Kindergottesdienst der Siebzigerjahre. Vermutlich singen wir es heute nicht mehr mit Kindern – auch weil es einen Menschen an seiner äußeren Erscheinung misst. Als jemand mit einer Körpergröße von unter 1,70 Meter darf ich es noch singen.
Der amerikanische Präsident ist ein körperlich sehr großer Mensch. Man sagt, er reagiere auf die körperliche Präsenz seiner Gesprächspartner. Das macht es für den deutschen Kanzler etwas einfacher, für den ukrainischen Präsidenten dagegen noch schwerer.
Warum wird in der Bibel erwähnt, dass Zachäus »klein von Gestalt« war? Es erklärt, weshalb er auf einen Baum klettern musste, um etwas sehen zu können. Darin liegt eine gewisse Demütigung des Mannes, der sonst über den anderen steht. Wenn nicht schon in der biblischen Überlieferung Schadenfreude mitschwingt, so doch in ihrer Auslegung: Seht ihr, so klein ist der Große jetzt, sagt der ansonsten kleine Mann von der Straße und freut sich.
Wie Jesus Kranke und Arme in ihrer Ausgrenzung sieht, so sieht er auch die Einsamkeit des wohlhabenden und moralisch fragwürdigen Zachäus. Tatsächlich: »Ein sehr kleiner Mann war er«, nicht nur körperlich. Jesus merkt das. Er ändert es – nicht die Körpergröße, wohl aber das Maß an Teilhabe. Zachäus freut sich über alle Maßen. Das ist immer das Ziel.
Wir danken Gott
- dass Jesus uns auch dann sieht, wenn wir uns von anderen übersehen fühlen. Gott weiß, was wir brauchen.
- dass wir zu einer Gemeinschaft gehören, in der nicht zählt, wie nützlich oder mächtig jemand ist.
- für die Freude, die wir in gelingenden Beziehungen erfahren.
Wir bitten Gott
- um den Mut, ehrlich zu erkennen, wo wir andere Menschen ausgrenzen.
- um ein gutes Miteinander, in dem unsere Beziehungen und unsere kirchliche Gemeinschaft niemanden ausschließen, sondern Menschen willkommen heißen.
Kontakt: Christian.Voller-Morgenstern@bethanien-stiftung.de
Bethanien Diakonissen-Stiftung
Die Bethanien Diakonissen-Stiftung führt das Werk der Diakoniewerke Bethanien und Bethesda fort, deren Wurzeln im Dienst von Diakonissen an alten und kranken Menschen liegen. Gemeinsam mit anderen diakonischen Trägern bewahrt und entwickelt die Stiftung die von Diakonissen aufgebauten Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen weiter. Zugleich übernimmt sie neue diakonische Aufgaben: in der Kinder- und Jugendhilfe durch den Betrieb von Kitas und Jugendzentren, im Bereich der seelischen Gesundheit mit Angeboten der Suchthilfe sowie in der Begleitung von Angehörigen, die um ein Sternenkind trauern.
Kontakt:
Bethanien Diakonissen-Stiftung
Dielmannstraße 26
60599 Frankfurt
Telefon: 069 95932370-0
E-Mail: info(at)bethanien-stiftung.de